Auf dem Boden …

bodensitzen1Ich sitze gerne auf dem Boden. Wie jetzt zum Beispiel in der Küche vor dem Ofen in dem langsam die Gans vor sich hinbrät und ich alle 15 Minuten die Backofenzahl um 5° Grad erhöhe.
Nein ich bin nicht so verrückt die Gans die ganze Zeit über zu beobachten, nicht so paranoid zu denken, sie könne, wenn ich wegschau, im Ofen explodieren.

Neben mir steht ein Glas Portwein auf dem blauen Flickenteppich, mein MP3-Player spielt skandinavischen Jazz und ich sitze hier, neben den Katzennäpfen auf dem Boden und denke nach und schreibe. Die einzige Beleuchtung, die des Backofens und der 50 cm hohen, wollweißen Kerze, die neben mir steht.

Auf dem Boden sitzen hat etwas Beruhigendes für mich. Ob auf dem Fußboden angelehnt an´s Sofa, im Zug, obwohl noch Sitzplätze frei wären, an einem Brunnen mitten in der Stadt, am Hafen, auf dem Balkon. Der Boden ist mein Lieblingsplatz.


Wenn ich hier unten sitze fühle ich mich fast unsichtbar. Es scheint als würden die Menschen um mich herum „dort oben“ mich nicht wahrnehmen.
Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein, denn wenn ich aus meiner Welt hier unten ab und an aufblicke, sehe ich vereinzelte Blicke auf mir ruhen, die ich nicht ganz zuordnen kann, die für mich aber fast immer Befremden ausdrücken, was mich nicht weiter stört.
Wer niemals diese Perspektive ausprobiert und für sich entdeckt hat, wird mich schwerlich verstehen können.
Hier fühle ich mich unbeobachtet und geborgen.
Oft wurde ich gefragt warum ich nicht auf das Sofa komme und fragend angeschaut, wenn ich antwortete, dass ich lieber auf dem Boden säße.
Klingt spleenig? Mag sein, aber viele finden auch meine Vorliebe für bunte Ringlesocken (am liebsten handgestrickt) spleenig – was soll´s.

Ich erinnere mich an ein schönes Erlebnis in Hamburg. Mein Ex-Freund und ich waren Sonntagmorgens mit den Fahrrädern auf dem Fischmarkt und wollten anschließend in einen Park zum Picknicken fahren. Auf dem Weg zum Park fing es in Strömen an zu regnen und wir waren innerhalb weniger Minuten bis auf die Knochen durchnässt, als mein Ex-Freund vorschlug anzuhalten und an Ort und Stelle zu Picknicken. Mitten auf dem Gehweg unter einem großen Baum, an einer vielbefahrenen Straße.
Wir hatten einen Heidenspaß, mitten in Hamburg, auf einer Wolldecke, völlig durchnässt, mit Wein und Leckereien – ebenso an den merkwürdigen Blicken, die uns zugeworfen wurden. Ein Wunder eigentlich, dass niemand die 112 anrief und uns ein paar charmante Herren mit Jacken vorbeischickte, die uns nach Alsterdorf begleiten wollten.

Manchmal kann auf dem Boden sitzen und sich in Musik und/oder Lektüre fallenlassen auch hinderlich sein. Zumindest wenn man in einem Zug sitzt, umsteigen muss, den passenden Zeitpunkt verpasst (Passende Zeitpunkte/Verpasste Zeitpunkte – ein Thema, dass ich ein andernmal ausführlicher behandeln muss) und sich von einem Freund in der Tundra abholen lassen muss. Seitdem erwartet dieser Freund, wenn ich mit dem Zug auf dem Weg zu ihm bin, stündlich einen Anruf der russischen Zollbehörden, mit der Bitte mich dort abzuholen.
Überhaupt fahre ich lieber Zug als Auto, aber auch das ist ein anderes Thema für sich, über das ich ein andern mal schreiben werde.
Kater zumindest schleicht sich grad an und findet es sichtlich klasse, dass ich hier unten sitze.
Und ich merke – Ich habe mich verzettelt. Meine Gedanken waren die ganze Zeit woanders, aber auch dort sehe ich mich gerade ausgeglichen mit einem Lächeln auf den Lippen auf dem Boden sitzen und das Schöne – Ich fühle mich dabei kein Stück seltsam beäugt …

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Ein Kommentar

  1. was soll ich schreiben?

    Das Bild ist KLASSE! Eigentlich BEIDE BILDER.

    .. und deshalb kann ich natürlich erst mal nicht mehr denken in der Weise,
    dass man es noch äußern könnte …

    Gibt es noch mehr Bilder? Werd da demnächst mal suchen, weil ich gleich Besuch bekomme und aus dem net raus sein muss, um anständig für den Empfang des Besuchs fertig sein muss..

    liebe grüsse an TARIA

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