Ein Traum

hausboot

Vorletzte Nacht habe ich unruhig geschlafen. Erst hielten mich Gedanken, die ich nicht abschalten konnte wach, als ich endlich einschlief, träumte ich wirres Zeug. Fetzen davon habe ich gestern morgen mit in den Tag verschleppt.
Ein sehr intensiver Traum anscheinend.
Kennt jemand außer mir das, dass man morgens aufwacht aus einem Traum, in dem man glücklich war, verliebt war – in einen gesichtslosen Menschen?
Dieses beschwingte Gefühl, das man den ganzen Tag über in sich trägt, obwohl man auch nach der größten gedanklichen Anstrengung nicht zuzuordnen vermag, wer der Fremde, der sich so vertraut anfühlte, war?

Aus dem Traum vorletzte Nacht ist mir einiges bekannt, vieles nicht.
Ich erinnere mich auf einem Hausboot zu Besuch gewesen zu sein, erinnere mich an gigantisch große Wellen, die ich durch die Fenster ankommen sah, die die Fenster eindrückten und wie ich floh.
Einen Kater links, einen rechts unter dem Arm geklemmt – meine Kater.
Ich erinnere mich an eine männliche Person an meiner Seite, die ich nicht real zuordnen kann, für die ich aber auch jetzt noch ein warmes Gefühl im Bauch spüre.
Eine Bushaltestelle an der sich unsere Wege trennten. Derjenige wollte zu seinem Bruder, zu dem ich aus einem mir unbekannten Grund nicht mitkommen sollte, sondern vorfahren zu seiner Mutter, wo wir uns wiedertreffen würden.
Ich erinnere mich an einen kleinen Kiosk an der Bushaltestelle und wie ich meinen schwarzen Kater, den Zappelphilipp, in eine Sporttasche verfrachtete, sodass nur noch sein Kopf rausschaute. Wie ich einen Mann, der mit zwei anderen um einen Stehtisch stand und Bier trank, nach einer Zigarette fragte, die ich auch lächelnd bekam.

Schemenhaft sehe ich eine Geburtstagsfeier auf dem Hausboot, der Mann vom Kiosk, der mir die Zigarette gab, ist auch da.
Verwirrend, dass ich das Geburtstagskind kenne – Die Schwester meines Ex-Freundes. Streitigkeiten wegen der Essensvorbereitung, Vorwürfe an die Mutter, die angeblich weniger Arbeit investiert hätte als ich. Ich empfinde Ungerechtigkeit, weil ich der Meinung bin, dass das so nicht stimmt, sage aber nichts.

In einem Bus. Jemand männliches und ich steigen Landungsbrücken aus und er bemerkt scherzhaft „Mein Spruch war ja schon nicht sehr nett, aber Deiner übertrifft wirklich alles“. Er lacht mich an. Was habe ich zu wem gesagt?
Ich erinnere mich, wie ich sagte „Anderen Vorwürfe machen, aber nicht mal wissen, wer der Typ ist, den man eben getroffen hat und von dem man gegrüßt wurde, obwohl man drei Monate mit ihm zusammen war“.
Zu wem ich das gesagt habe? Keine Ahnung.

Wir laufen durch Hamburgs Straßen und Hamburg entpuppt sich, wie so oft, als ein Dorf. Ein paar Meter vor uns sehe ich einen Mann mit einer mir unbekannten Frau auf uns zukommen. Ich sehe und erkenne ihn, er sieht und erkennt mich.
Lächeln in seinem Gesicht und aufsteigende Tränen, als wir uns gegenüberstehen. Ein alter Freund aus Kir-Tagen, bei dem ich mich ewig nicht gemeldet habe, der immer gehofft hat, ich würde irgendwann wieder zurück nach Hamburg ziehen.
Und jetzt stehen wir uns gegenüber, fallen uns in die Arme und ich erzähle ihm, dass ich vor kurzem wieder nach Hamburg gezogen bin. Freudig überrascht, blickt er erst mich, dann den Mann an meiner Seite an und fragt spontan, was wir heute abend vorhätten. Die Frau an seiner Seite, die ich nicht kenne, wird sauer, sagt etwas davon, dass er dann ja wohl ihre Hilfe bei der Rettung seiner Beziehung nicht mehr bräuchte und geht einfach.

H. geht es Dir gut?
Wer war der Mann an meiner Seite?
Warum bin ich wieder in Hamburg?
Wem gehört das Hausboot?
Fragen über Fragen.

Da war ein Streit. Ein Streit mit jemand anderem. Es ging um eine andere Frau.
Es ging um schöne „Titten“, die sie hätte, wie er mir ins Gesicht sagte.
Ich erinnere mich, dass ich kein Erstaunen fühlte, sondern wie ich zwar sauer, aber auch des Streitens müde, entgegnete, er solle halt zu ihr gehen, ich sei das alles leid.

Als ich aufwachte war alles nur ein Traum und die Welt jenseits von Hamburg scheinbar unverändert.
Nachdem ich meine Erinnerungspuzzleteilchen aufgeschrieben hatte, griff ich zum Telefonhörer und rief in Hamburg an bei H. und K., um ein Lebenszeichen zu geben – und um zu fragen ob alles in Ordnung sei.
Der einzig greifbare Punkt.
Es ist alles in Ordnung in Hamburg.

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