Pralinenschachtel

labyrinth„Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie was man bekommt“
Eine viel zitierte „Lebensweisheit“ aus einem aus meiner Sicht sehr überschätztem Film, der es nie geschafft hat über die Gähnphase hinaus mein Interesse zu wecken. Ähnlich wie Pulp Fiction ein Garant für Schlaf in schlaflosen Nächten und ohne lästige Nebenwirkungen, wie beispielsweise Valium.
Kürzlich wieder mit diesem Film konfrontiert und unausweichlich auch mit diesem Zitat, geschah etwas ganz Neues – Ich dachte nach.

Auslöser, war der humorvoll hingeworfene Satz
„Tja, die drehen die Schachtel halt nie um“.
?
„Wie meinst Du das?“
„Na auf der Rückseite sind doch die Pralinen mit Beschreibung abgebildet.“

Witzig. Ich müsste mein Leben also mal auf den Kopf stellen?
Wie darf ich mir das vorstellen? Und wie ist das mit Menschen? Sollte ich vielleicht mal jemanden umdrehen und schauen, ob eine Gebrauchsanleitung unter den Füßen versteckt ist? Nein das kann nicht sein. Ich hatte schon mehrere Füße in der Hand und ich habe noch nie eine Abbildung entdeckt.
Schon spüre ich meinen ehemaligen Religionslehrer sacht auf meine Schulter tippen.
„Du sollst doch nicht immer alles so wörtlich nehmen. Sieh es bildlich – im übertragenen Sinne.“
Ja scho recht. Die Schlange war ja auch nur ein Sinnbild für „das Böse“.
Ein Fuß ist ein Fuß, ist ein Fuß.
Einen Menschen kann ich zumindest noch umdrehen und auf den Kopf stellen.
Aber ein Leben? Ja doch – nicht wörtlich.
Also gefühlt steht mein Leben regelmäßig Kopf im übertragenen Sinne. Anleitungen, Abbildungen, Beschreibungen habe ich dabei bisher aber nie ausmachen können.
Dabei fände ich das durchaus praktisch. Bevor ich den Bus nehme schaue ich ja auch erst nach, wann er denn fährt, denn ich hasse fast nichts mehr als von einem Bein auf´s andere zu hüpfen und zu warten.

Was mich aber zu der Frage führt – wer schreibt denn überhaupt diese Inhaltsangaben über unser Leben? Und was macht derjenige mit Menschen wie mir, die diese Anleitungen nicht finden und munter drauflosleben? Theoretisch gesehen müsste er (oder sie) diese Anleitungen ja ständig umschreiben.
Vielleicht ist das „Umdrehen“ aber ja auch nur ein Synonym dafür den Blickwinkel zu ändern? Und vielleicht steht diese ominöse Beschreibung nicht schwarz auf weiß irgendwo, sondern in meinem Unterbewusstsein? Quasi unlesbar für andere – Für mich allerdings auch.
Gibt es dann trotzdem nur eine „richtige“ Anleitung, oder schreibt sie sich mit jedem meiner Schritte selbsttätig um?

Was zwangsläufig zu der Frage führt – Gibt es das Schicksal?
Und wenn ja – versucht mich dann das Unterbewusstsein nach jedem meiner Schritte irgendwie wieder auf Kurs zu bekommen? Und wenn das so ist, was ist dann mit denen, deren Anleitung unweigerlich mit meiner verbunden ist?
Ach Du liebes Liesschen … Irren da einige meinetwegen kreuz und quer, nur weil ich zu dusselig bin, die Anleitung zu finden? Oder aber – Irre ich hin und her, weil andere zu dusselig sind?
Gefällt mir der Gedanke es gäbe soetwas wie Schicksal  überhaupt?
So richtig behagt mir der Gedanke ja nicht, mein komplettes Leben könne vorbestimmt sein und ich hätte keinen Einfluss darauf.
Das hieße auch es gäbe keine Zufälle. Dabei mag ich Zufälle.

„Das Unterbewusstsein ist stärker als Du Dir vorstellen kannst und gewinnt immer“ sagte mir ein sehr, sehr guter Freund vor ein paar Tagen.
Das ist ja schön für´s Unterbewusstsein, aber dürfte ich darum bitten, dass es bewusst etwas lauter und vorallem deutlicher mit mir kommuniziert?
Ich verliere mich nämlich langsam in gedanklichen und grafischen Mindmaps um meinen Weg zu finden. Und es fängt an mich zu nerven mich wie ein Blindflieger zu fühlen, der ständig den Kurs ändern muss. Und das mir, die ich eh schon immer ewig und drei Tage brauche um überhaupt eine Entscheidung zu treffen.
Da steht man gefühlte hundert Jahre an einer Weggabelung und wenn man sich sagt „“Ach was soll´s gehe ich mal rechts“, kommt da Monate später eine leise Stimme aus dem Off „Wärst Du nicht so ungeduldig und hättest noch gewartet, wärst Du besser links gegangen.“
Jaaa – schooo recht. DU MICH AUCH!
Weißt Du was mein liebes Unterbewusstsein? Hätte ich noch ein wenig länger gewartet und wäre links gegangen, hättest Du mir ein paar Monate später gesagt „Wärst du mal …“ bla bla bla …
Ich gewinne langsam (eher schon seit längerem) den Eindruck ich kann es meinem nörgelnden Unterbewusstsein eh nicht recht machen.
Genauso gut, könnte ich genau da wo ich jetzt bin bleiben und das Ganze aussitzen.
Dann müsste ich mich zumindest nicht mehr mit der allgegenwärtigen Frage quälen, ob der Weg den ich einschlage, denn jetzt auch endlich mal der Richtige ist.
Aber da sehe ich mich schon von einem Bein auf´s andere hüpfen und weiß das halte ich nicht lange durch. Und ich ahne – ich werde umkehren und den linken Weg einschlagen und ich komme mir dabei unsäglich blöd vor. Angst macht es mir auch. Solltest Du es nicht ernst meinen und das ein Scherz gewesen sein, sag es mir besser jetzt, denn ich warne Dich Unterbewusstsein, sollte das wieder falsch sein, werde ich einen Hypnotiseur bestechen und Dich für immer aus meinem Leben bannen.

Ich werde mit Sicherheit nie wieder Forrest Gump als Einschlafhilfe missbrauchen können.

Advertisements

2 Kommentare

  1. Liebe Tarja,

    Du schrubst „Das ist ja schön für´s Unterbewusstsein, aber dürfte ich darum bitten, dass es bewusst etwas lauter und vorallem deutlicher mit mir kommuniziert?“ und ich wette, dass es das längst tut. Es nennt sich Bauchgefühl und leitet Dich in jeder Sekunde Deines Lebens. Oder versucht es zumindest. Ob Du es zulässt, liegt natürlich an Dir.

    Wer, wenn nicht ich, könnte Deine Ungeduld besser verstehen. Sister! Und falsche Wege … gibt es die tatsächlich? Ja, natürlich gibt es sie. Zum Beispiel, um bei Forrest zu bleiben, bei dem Gedanken „Dumm ist, wer Dummes tut“. Vertrauen missbraucht, nahestehende Menschen betrügt oder in sonstiger Form hintergeht und vergleichbare Missetaten begeht. Es ist dumm, weil es verhängnisvoller ist, als der dadurch potentiell erzielbare Gewinn, der letztendlich stets irrelevant klein sein und bleiben wird. Ebenso wie ein Mensch, der sich so verhält.

    Schlägst Du jedoch eine Richtung ein, nur um nicht weiter auf der Stelle zu stehen, kann das m. E. keinesfalls dumm sein. Allein schon, weil Du auf diesem Weg, egal wie falsch er auch irgendwann sein mag, Dinge siehst, die Dir anderenfalls für immer verborgen geblieben wären. Sie bringen Dich also auf jeden Fall weiter. Losgelöst davon, ob sie Dich ausgerechnet an das Ziel bringen, was Du zum Zeitpunkt des Losgehens für richtig gehalten hast. Denn ob dieses Ziel für Dich tatsächlich das Optimale gewesen wäre …

    … wirst Du in sehr vielen Fällen sowieso nie erfahren. Also geh los, genieße die Blumen am Wegesrand, neue Menschen, die frische Luft, Eindrücke die nur für Dich bestimmt sind.

    Oder kürzer: Leben einfach. Denn mehr kann kein Mensch tun.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s