Entfernung

~ Musiklink~ „Digital Dream“

szanaweiss3001Eine afrikanische Weisheit besagt „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“ Geduld mag eine Tugend sein, aber ich habe sie sicherlich nicht erfunden.

Das Thema schlechthin der letzten Tage: Entfernung.

Irgendwie schlagen sich momentan alle mit dem Thema Entfernung rum, ebenso wie ich. Teils werden Lösungen gesucht, teils scheint es, es würden Probleme für jeden Lösungsversuch gesucht. Und dann kommen da noch die Zufälle und widrigen Umstände hinzu, die scheinbar greifbare Lösungen platzen lassen, oder Wege verlängern. Was ist nur los?

Erstens: Es frühlingt, zweitens das Zeitalter des Internet hat uns definitiv eingeholt. Fluch und Segen zugleich. Segen, weil wir Menschen begegnen, die wir ohne das Internet vermutlich nie kennengelernt hätten. Fluch, weil die, mit denen einen ein unsichtbares Band verbindet, paradoxerweise meist geographisch am entferntesten sind.

Ein paar verzwickte Beispiele aus meinem nahen Umfeld, mich inbegriffen (Namen fiktiv):

Martin und Silvia haben sich vor einiger Zeit über das Internet kennengelernt.
Vor ein paar Wochen haben sie sich zum ersten Mal getroffen, nachdem sie wochenlang schrieben und telefonierten. Es war klar, dass das Thema Entfernung zwangsläufig irgendwann kommen würde, da beide mehrere 100 km auseinander wohnen. Nach dem ersten Treffen telefoniere ich mit Martin. Ich höre und spüre da keine Frühlingsgefühle, keinerlei Euphorie, alles was ich höre sind Probleme.
Für jeden Lösungsansatz den ich mir ausdenke und äußere mindestens zwei „aber“ warum es so nicht geht. Irgendwann resigniere ich. Wie soll ich jemandem Tipps zum Schwimmen geben, wenn derjenige nicht ins Wasser möchte und mir stattdessen die Vorzüge der Strandwohnung zu vermitteln sucht?

Jonas. Gutaussehend und kann fast jede haben, die er haben möchte. Zur Zeit sind 3 Frauen im engeren Interessenfeld, wobei die Interessanteste am weitesten weg wohnt. Wenn ich das richtig verstanden habe, wird sie es aus dem Grund nicht werden, sondern eher die, die näher dran wohnt …

Amelie und Carsten. Für sie ist es nichts Neues jemanden über das Internet kennenzulernen und umziehen war für sie auch nie ein Gedanke, der vor Männern abschreckte, die weiter weg wohnten. Mit einer Leichtigkeit empfindet sie es als selbstverständlich zu dem Mann zu ziehen, in den sie sich verliebt und der sich in sie  verliebt. Sie setzt andere Prioritäten als die vermeintliche Entfernung, wenn jemand ihr Interesse weckt. Entfernung ist für sie eine Hürde, die man überwindet, wenn man in den Galopp übergeht. Carsten hingegen hat sich von Anfang Grenzen gesetzt. Er möchte gar nicht erst weiter über diese Grenzen schauen. Vermutlich hat er bisher die Erfahrung gemacht, dass Nähe aufgebaut, dann aber nie komplett hergestellt wurde, oder dass das was man über die Entfernung im Vorschuss aufgebaut hat, der Realität später nicht standhalten konnte. Ob und was daraus wird, wird sich erst herausstellen, wenn sie umgezogen ist, da Amelie schon beschlossen hatte in Carstens Stadt zu ziehen, bevor sie ihn kannte.

Sonja und Heiko. Sie hat gerade eine schwierige Beziehung hinter sich, er scheint der klassische Einzelgänger und will sich nicht allzufest binden. Sie kann und will nicht, er kann und will nicht. Die beiden scheinen sich gut zu ergänzen und sehen die Entfernung, die zwischen Ihnen liegt momentan sogar als Chance zu mehr.

Tessa und Phillip. Seit Monaten schreiben und telefonieren sie. Momentan ist Phillip in einem anderen Land und die Entfernung nicht anders überbrückbar.
Es fängt langsam an, an Tessa zu zehren, aber mit dem Wissen, dass es nur noch ein paar Wochen sind, hält sie sich über Wasser.
Leider schiebt sich seine Ankunft ein ums andere mal, durch widrige Umstände, sodass in ihr ab und an ein kleines Teufelchen flüstert, vielleicht wolle er sie gar nicht sehen und sie sei ihm doch nicht so wichtig. Für ihn ist es schwer und anstrengend ihr über die Entfernung die Sicherheit zu vermitteln, obwohl er sich Mühe gibt. Sie hat Angst, sie könne alles was die beiden in den fünf Monaten aufgebaut haben, zunichte machen, durch ihr inneres Teufelchen.
Hoffentlich sehen sich die beiden, bevor das Kartenhaus zusammenfällt.

Nele und Julian. Drei Jahre waren die beiden ein Paar. Nahe waren sie sich schon lange nicht mehr. Wenn er auf dem Sofa neben ihr saß, oder im Bett neben ihr lag, spürte sie ihn nicht mehr. Es kam ihr so vor, als sei er meilenweit entfernt. Nach einem halben Jahr mit sich ringens und etlichen Gesprächen, trennte sie sich von ihm.

Was ist Entfernung und wie gehen wir damit um? Ist Entfernung nur etwas rein geographisch und messbares? Ist Entfernung eine Chance, oder ein Ausschlusskriterium?

Mein persönliches Fazit: Man kann sich nah sein, auch wenn man messbar weit voneinander entfernt ist. Man kann sich entfernt sein, obwohl man nebenan sitzt.
Wichtig ist, was einen miteinander verbindet, dass man ein ähnliches Nähebedürfnis hat, das man sich eine Chance gibt, dass man messbare Entfernung mittel- oder auch langfristig gesehen, reduziert, wenn beide das wollen, dass man gemeinsam nach Lösungen sucht, statt nach Problemen.
Die Kür ist dann die innere Verbundenheit und Nähe am Leben zu erhalten, nachdem man die Entfernung überbrückt hat.

Virtualität als Chance gemeinsam Realitäten zu schaffen.

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5 Kommentare

  1. Entfernung in Kilometern sagt sehr wenig über die innere Distanz aus.
    Ich kann 2 Meter neben jemandem stehen und bin im inneren Galaxien entfernt.
    Wie auch Alannah schon ausführte, Klarheit und Kommunikation sind dann wichtige Eckpunkte für eine Entwicklung der Beziehung.
    Dann sind 500km eine Sekunde weg vom Glück.

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  2. Nachtrag:
    Mit der Zeit werden sich manche „Probleme“ ganz von alleine lösen.

    Wenn beide es wollen, da hast man Recht ;-))

    So un nu mach isch misch nach HH

    Grüsse aus FFM nicht FFO

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