Zwei Saiten Thema „Masken“ – AnaSzui

Wer bin ich

„Wer bin ich und wenn ja, wieviele?“

Es gibt unzählige Arten von Masken und ebenso viele Gründe für sie. Es gibt sichtbare Masken wie Beautymasken und Faschingsmasken und unsichtbare Masken. In diesem Gedankentext geht es um Letztere.

Vermutlich hat jeder von uns schonmal so eine Maske aufgesetzt, die einen mehr, die anderen weniger, einige behaupten gar, sie könnten das gar nicht und wären immer authentisch.
Ist eine Maske grundsätzlich negativ behaftet? Bin ich mit einer Maske nicht authentisch, nicht trotzdem noch ich? Ist das per se ein Widerspruch? Oft werden auch Masken vermutet, wo Facetten gezeigt werden. Jemand zeigt Dir ein anderes „Gesicht“, als Du von ihm gewohnt bist und Du schreist auf, „Das ist doch gar nicht der Mensch, so kenne ich ihn/sie nicht!“. Dabei muss das was wir da sehen gar nicht zwingend gespielt und unehrlich sein, sondern kann nur eine weitere Facette der Person sein – eine die wir noch nicht kennen.

Dann gibt es Situationen, da setzte ich ganz bewusst eine Maske auf, weil ich nicht in der Stimmung und/oder im Umfeld bin, wo ich einen tieferen Blick in mich gewähren will. Die Freiheit, dass nicht jeder zu jeder Zeit wissen muss, wie ich mich fühle und was in mir vorgeht – ein Stück Privatsphäre in einer gläsernen Welt.
Unehrlich? „Sie können die Wahrheit doch gar nicht vertragen!“ um mal aus einem bekannten Film („Eine Frage der Ehre“) zu zitieren.
Allein die Frage „Wie geht es Dir?“ ist eine sehr treffende Floskel dafür. Wer möchte darauf denn schon eine ehrliche Antwort bekommen? Die wenigsten wohl. Sind wir doch mal ehrlich – für die meisten ist das keine Frage auf die man eine ehrliche Antwort wünscht und erwartet.
Was wenn das Gegenüber nicht standardmäßig mit „Gut! Und Dir?“ antwortet? Dann muss ich mir gegebenenfalls sein Leid des Tages, der Woche, des Monat  anhören, dass mich – mal ehrlich – doch eigentlich eher selten interessiert, wenn derjenige mir nicht nahe steht, oder mich in irgendeiner Form interessiert.

Was nun, ist das Dilemma. Verurteilen, oder doch eher bewundern, dass jemand selbst bestimmt, wer ihm wie nahe kommen darf? Aus meiner Erfahrung ist das Verurteilen verbreiteter. Ich tendiere zum Beneiden.  Das mag daran liegen, dass viele in mir lesen können, wie in einem offenen Buch und mein Vater mir schon sehr, sehr früh mitgab – „Du lügst so schlecht – versuch es gar nicht erst.“ Das ist mir nicht immer, bei jedem, in jeder Situation behaglich. (War das eigentlich ein Kompliment?)

Gut, ich beneide nicht alle Maskenträger. Player, die Masken tragen um ihren Vorteil daraus zu ziehen und Verletzungen in Kauf nehmen, sind mir zuwider. Menschen, die sich verbergen und  selbst nahen Menschen nicht öffnen können, sind mir nicht zuwider, aber schwierig mit ihnen zu leben.
Beides beneide ich nicht, mit Letzterem kann ich aber zumindest leben.

Geht es nicht viel weniger um das Be- und Verurteilen von Masken, als vielmehr um die Intention dahinter? Für mich zumindest schon, aber ist das fair?

Ist der Grund wichtig für die Authentizität? Ist jemand der zum Selbstschutz eine Maske trägt, authentischer als jemand der das als Mittel zum Zweck tut um sein Ziel zu erreichen?
Ist überhaupt irgendjemand von uns wirklich zu 100% authentisch, wenn das bedeutet immer und an jedem Ort zu 100% ehrlich zu sein und zu zeigen wer man ist und wie es einem geht?
Alle die das können und auch leben jetzt bitte mal die Hand heben! …
O.k. Hand auf´s Herz jetzt und viele Hände wieder runter nehmen…
Und Überraschung – die, die ihre Hand noch oben haben mag ich gar nicht denn das, was auf den ersten Blick so erfrischend positiv erscheint, bedeutet auch schonungslose Ehrlichkeit. Ehrlichkeit, auf die ich manchmal echt gut verzichten kann, weil sie ohne Rücksicht auf Verletzung des Gegenübers geschieht. Ehrlichkeit, die über Leichen geht. „Ich wollte doch nur ehrlich sein“.
„Geschenkt. Hauptsache Du bist authentisch und Dir geht es gut, man kann ja auch ganz authentisch Arschloch sein. Herzlichen Glückwunsch, hier ganz authentisch mein Mittelfinger und wie Heidi sagen würde „Ich habe für Dich leider kein Foto“, oder frei aus Life of Brian „Setz Dich, nimm Dir einen Keks, Du Arsch.““

Ich bin ganz authentisch mit meinen vielen „Masken“, auch Facetten genannt, die nicht jeder kennen muss um sie als Teil von mir anzuerkennen und manchmal bin ich nicht ganz ehrlich, wenn ich es für sinnvoller erachte. Und das nächste Mal, wenn Du Dir denkst, „So kenne ich die gar nicht, die hat sich aber verändert“ frag Dich kurz, ob Du alle Facetten von mir kennst, ob Du Dich vielleicht verändert hast, oder ob mich die Wahrheit grad interessiert.

Apropos – Wessen Wahrheit überhaupt? Deine oder meine? Aber das ist wieder ein anderes Thema.

„Sie können die Wahrheit doch gar nicht vertragen!“ Stimmt – möchte ich manchmal auch gar nicht – Danke.

Zur anderen Saite / Kolumne Tristan Rosenkranz bitte hier entlang.

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