Emotionale Erpressung -Reaktion auf einen Artikel

Lieber Tristan, in Deinem Blogbeitrag schreibst Du unter anderem Folgendes:

„1. Die gebräuchlichsten Strategien der emotionalen Erpressung sind, uns an unsere Verpflichtungen zu erinnern: z.B. „Wenn du es nicht machst, muss ich halt auf meinen Feierabend verzichten“, oder „Wenn du mir nicht hilfst, muss ich wieder alles alleine machen“. Durch dieses „Schuld-Programm“ lassen wir uns nur allzu leicht manipulieren. Wir fühlen uns eingeengt, unter Druck gesetzt. Doch meist brodelt in unserem Innern auch Widerstand. Scheinbar haben wir nur zwei schlechte Alternativen zur Verfügung:

Wir richten uns nach den Vorstellungen des anderen und haben den Eindruck,
gezwungen zu sein.
Wir richten uns nicht nach den Wünschen des anderen und haben Schuldgefühle.

2. Langfristig können Schuldgefühle gehörig belasten, unsere Seele krank machen.
Wir haben es satt, uns in unserer Freiheit ständig beschnitten zu sehen und ständig mit schlechtem Gewissen umherlaufen zu müssen. Entscheiden wir uns für die Märtyrerrolle, indem wir unsere Wünsche zurückstellen und alles für den anderen tun, in der Hoffnung, es komme eines Tages zu uns zurück, befinden wir uns meist in einer ausweglosen Position: Unsere Interessen werden nicht umgesetzt und wir bekommen nichts zurück.

3. Man redet sich ein, nachgeben ist nicht so schlimm – man sagt sich, dass eigene Wünsche es nicht wert sind – man sagt, dass nachgeben besser ist, als Gefühle zu verletzen. Man tritt nicht für sich selbst ein. Gibt Macht ab, tut Dinge, um anderen zu gefallen, und ist sich unsicher über eigene Bedürfnisse man fügt sich, gibt Menschen und Betätigungen auf, nur um anderen zu gefallen.

4. Mache Dir sehr deutlich: wenn ein anderer dir Egoismus vorwirft, dann ist er selbst egoistisch. Er will seine Bedürfnisse durchsetzen“

Dazu würde ich gerne einiges anmerken, weil ich beim lesen zwischendurch leise den Kopf schütteln musste.

In jeder Beziehung die wir eingehen, sollten wir uns auch auf unser Gegenüber einlassen. Leider spiegelt einiges in diesem Artikel für mich wider, warum Beziehungen oft so schlecht halten. Viele sind nicht mehr bereit von ihrem eigenen Trip abzuweichen, fühlen sich schnell unter Druck gesetzt und empfinden Entgegenkommen als Verlust der eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Ich hingegen denke, dann passt es einfach nicht, oder derjenige ist einfach nicht für eine Beziehung geschaffen. Wenn man nur an seinen eigenen Interessen interessiert ist, dann ist das in der Tat schlicht Egoismus und zu behaupten man sei selbst egoistisch, wenn man einem egoistischem Menschen dies  vorwirft, halte ich für sehr gewagt.
„Wenn du es nicht machst, muss ich halt auf meinen Feierabend verzichten“, oder „Wenn du mir nicht hilfst, muss ich wieder alles alleine machen“ hat für mich nichts mit der emotionalen Erpressung zu tun, die ich kenne und im Gegensatz zu Tristan, sehr wohl werte, nämlich ablehne. Zugegeben ist es unglücklich formuliert, wäre aber überflüssig zu erwähnen, wenn das Gegenüber sich einbringen und einlassen würde. Jemandem dem an mir und unserer Beziehung gelegen ist, müsste ich auf sowas, wenn selten, hinweisen. Er würde mir von alleine helfen, oder sagen, „Komm lass uns das einfach morgen machen“.
Jemand der sich in so einer Situation bereits in die Ecke gedrängt fühlt und denkt „Mist, jetzt MUSS ich etwas machen worauf ich keine Lust habe, oder ich hab ein schlechtes Gewissen“ – auf so jemanden könnte ich gut und gerne verzichten, denn er hat das Prinzip Partnerschaft nicht wirklich begriffen. Wenn die „Freiheit“ des einen zur Belastung der Beziehung führt, ist das für mich immer ein deutliches Zeichen, dass man a) nicht kompatibel ist, oder b) der andere nur mit sich selbst kompatibel ist.
Es geht nicht darum sich selbst komplett hinten anzustellen und eigene Wünsche und Bedürfnisse zu unterdrücken und auch nicht darum Alles für den anderen zu tun – es ist ein Geben und Nehmen und ein Miteinander, indem beide Wünsche und Bedürfnisse haben, die vielleicht nicht immer deckungsgleich sind. Genau da sucht man Kompromisse mit denen beide leben können, ohne sich unterdrückt und eingeengt zu fühlen.
Jemandem an dieser Stelle emotionale Erpressung zu unterstellen, halte ich persönlich für eine bequeme Ausrede, denn auf einmal ist man selber das arme Opfer und der Andere der böse Täter und wer bitte hat nun die Schuldgefühle?
Nein, nachgeben IST auch nicht „schlimm“ – es gehört zum miteinander und sollte gegenseitig geschehen. Wer immer nur sich selbst in den Fokus stellt und als Nabel der Welt sieht, hat das Konzept nicht verstanden. Wer sich nur darauf einlässt weil „nachgeben besser ist, als Gefühle zu verletzen“, hat in meinem Leben nichts zu suchen. Derjenige, der mit mir kompatibel ist, geht auf mich ein, weil er es MÖCHTE und mich liebt und nicht weil er denkt er MÜSSTE es.

Zum eigentlichen Thema „emotionale Erpressung“ – Natürlich gibt es die auch, aber ich kenne sie nur bewusst manipulativ eingesetzt. Auch das hat für mich natürlich nichts in einer gesunden Beziehung zu suchen. Konnte ich so für mich mit dem Artikel nicht in Verbindung bringen.

Zum kompletten Artikel bei Tristan bitte hier lang!

 

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Ein Kommentar

  1. Ich lese nur wenige Zeilen Deiner Reaktion auf mein Posting zum Thema und stimme Dir absolut zu. Das Thema, die Suche nach passenden Zeilen zum Thema und damit das Posting rückten in meinen Lebensmittelpunkt, weil es an der Zeit war, sich von gewissen Erfahrungen zu lösen und rückblickend an ihnen zu wachsen. Manipulation und emotionale Erpressung haben immer dort fruchtbaren Grund, wenn einer deutlich vom eigenen Geben abweicht, nicht zwangsläufig bewusst. Gewisse Muster oder Prägungen wie Borderline lassen ein bewusstes Handeln ja gar nicht zu. Wenn man selbst immer wieder gibt und um etwas kämpft, immer wieder, öfter und engmaschiger „geliebt“ und zurückgewiesen wird, dann wird Manipulation spürbar und begreifbar.

    Und natürlich habe ich keine Lust auf eine Beziehung, wo Egoismus, mangelndes Einfühlungsvermögen oder Rücksichtnahme auf die Verletzbarkeiten des Anderen das Klima bestimmen. An diesem Punkt ist es schadhaft und zerstört oft alles.

    Im Idealfall sind die Dinge im Fluss und halten sich Geben und Nehmen die Waage.

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